Stolperstein Initiative Göppingen


Stolpersteine in Arbeit

Das Jahr 2014 stellt für die Arbeit der Initiative Stolpersteine eine Zäsur dar, denn, soweit wir es überschauen können, werden in diesem Jahr die letzten Stolpersteine in Göppingen gesetzt werden.

Wir können schon heute das Datum mitteilen: Am Freitag, dem 16. Mai wird Gunter Demnig in unsere Stadt kommen und ab 15 Uhr neun Gedenksteine verlegen.

Abends um 19 Uhr wird er im Jüdischen Museum Jebenhausen mit einem Vortrag über den Stand seines internationalen Gedenkprojekts berichten.
In Kürze einige Informationen zu den ermordeten Menschen, an die in diesem Jahr gedacht werden soll:

 

Jakob Barbian, * 23.11.1900 in Neuenkirchen / Saar, gest.

18.03.1943 KZ Buchenwald

Adresse in Göppingen: Metzgerstr.72

Jakob Barbian wohnte in der Metzgerstraße 72. Im Jahr 1940 wurde er ins KZ Dachau deportiert und im März 1943 im KZ Buchenwald ermordet. Wegen kleinerer Vergehen war der Bergmann zunächst zu einer kurzen Gefängnisstrafe verurteilt, nach der Haftentlassung aber ohne Urteil jahrelang in Konzentrationslagern gequält worden. Der Stolperstein erinnert also an ein nichtjüdisches Opfer der Nazis.

 

Johanna Frey, * 12.07.1872 in Schwäbisch Hall, gest.

01.09.1942 KZ Ghetto Theresienstadt

Adresse in Göppingen 1937: Schützenstr.10

Die alleinstehende Johanna Frey zog etwa 1930 nach Göppingen und wohnte in der Schützenstraße 19 zur Miete. Etwa 1939, als jüdische Mieter aus ‚arischen’ Häusern ausziehen mussten, fand sie ein neuen Zuhause bei Betty Lauchheimer in Jebenhausen, der Großmutter von Inge Auerbacher. Im gleichen Transport wie Inge wurde Frau Frey im August 1942 ins KZ Ghetto Theresienstadt deportiert und starb dort schon nach kurzer Zeit.

 

Martha Götz, * 09.12.1880 in Krumbach / Bayern, gest.

30.03.1943 KZ Ghetto Theresienstadt

Adresse in Göppingen 1940: Östl. Ringstr. 52

 

Georg Lendt, * 22.12.1873 in Bruss, gest.

13.06.1942 KZ Mauthausen

Adresse in Göppingen : Marktstr. 8

Der Kaufmann Georg Lendt lebte in der Marktstraße 8, wo auch sein großes Kaufhaus stand. Der Witwer und letzte Vorsteher der Göppinger jüdischen Gemeinde wurde im August 1942 im KZ Mauthausen ermordet, „auf der Flucht erschossen“ lautete die verschleiernde Aussage der Nazis. Der Umstand, dass er als Jude im Jahr 1942 einige geschenkte Eier besaß, war der Anlass seiner Verhaftung.

 

Ida Löwenstein, geb. Gunz * 25.05.1875 in Augsburg, gest.

29.09.1942 KZ Treblinka

Adresse in Göppingen: Poststr.18

Ida Löwenstein, die kinderlos mit ihrem Mann Julius in der Poststraße 18 wohnte, war schon im Juni 1933 in ein jüdisches Altersheim bei Heilbronn gezogen, wo ihr Mann Ende 1941 starb. Wie Johanna Frey wurde sie im August 1942 ins KZ Ghetto Theresienstadt verbracht, auch Ida Löwenstein starb an den mörderischen Verhältnissen schon nach einem Monat.

 

Isaak (Joachim) Piotrkowsky, * 27.09.1881 in Lodz / Polen, gest.

29.07.1942 Lodz / Ghetto

Adresse in Göppingen: Marstallstr. 46

Ein außergewöhnliches Schicksal hatte die sechsköpfige Familie Piotrkowsky, die in der Marstallstraße 46 zur Miete wohnte. Als Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit wurden sie über Nacht am 28.Oktober 1938 verhaftet und zur  polnischen Grenze abgeschoben. Die Eltern Isaak und Rebekka sowie der Sohn Sigmund hatten nicht das Glück der Töchter, in England Zuflucht zu finden. Isaak starb im Ghetto Litzmannstadt (Lodz), Sigmund in einem Braunschweiger KZ- Außenlager kurz vor Kriegsende. Rebekkas Todesumstände sind nicht überliefert.

Rebekka Piotrkowska, * 10.08.1885 In Kuttna / Polen, gest.

Lodz / Ghetto

Adresse in Göppingen: Marstallstr. 46

 

Siegmund (Zygmunt) Piotrkowsky * 13.11.1912 in Göppingen, gest.

07.01.1945 KZ Neuengamme,

Außenlager Braunschweig Schillstr.

Adresse in Göppingen : Marstallstr. 46

 

Isak Friedrich Wassermann, *20.09.1888 in Aufhausen, gest.

19.11.1940 Tötungsanstalt Grafeneck

Adresse in Göppingen: Kirchstr. 12

Der Stolperstein für Therese Wassermann sollte schon im Jahr 2013 gesetzt werden. Erst kurz vor dem Verlegetermin wurde uns klar, dass auch ihr Bruder Isak Friedrich Wassermann von den Nazis ermordet wurde. Therese hatte einen kleinen Kiosk in der Marktstraße betrieben, ihr Bruder lebte als psychisch Kranker lange in Pflegeanstalten. Wie Tausende andere Behinderte und psychisch Kranke wurde er in der ‚Euthanasie’ – Aktion der Nazis erfasst und in der Mordanstalt Grafeneck im Jahr 1940 getötet. Die Stolpersteine für die Geschwister werden vor dem Haus Kirchstraße 12 gesetzt.

Therese Wassermann, * 25.04.1884 in Aufhausen, deportiert

24.04.1942 Izbica / Lublin

Adresse in Göppingen: Kirchstr. 12